Neues Jahr beim Projekt Wellenreiter startet

Dem Projekt `Wellenreiter` als Angebot des Kinderschutzbundes Rinteln steht ein spannendes
Jahr 2026 bevor. Nicht zuletzt aufgrund des konstant steigenden Bedarfs nach spezifizierten Unterstützungsmöglichkeiten freuen sich die Projekt-Fachkräfte, das Angebotsrepertoire in bisherigem Umfang weiterführen zu können. Ermöglicht wird dies unter anderem durch eine erneute Förderung in Höhe von 30.000 Euro in 2026 durch die Postcode Lotterie. Zudem sichert die seit 2023 bestehende Regelfinanzierung durch den Landkreis Schaumburg das Angebot für Kinder psychisch erkrankter Eltern.
Auch im vergangenen Jahr war die fortlaufende Wellenreiter-Gruppe für Kinder psychisch erkrankter Eltern durchgängig voll besetzt. Das wöchentliche Gruppenangebot zielt genauso wie die ebenfalls wöchentlich stattfindende Teenie-Gruppe vor Allem darauf ab, den Teilnehmer*innen einen Raum für Selbstwirksamkeitserfahrungen anzubieten. Wiederkehrende und verlässliche Strukturen und Regeln sollen einen sicheren Rahmen schaffen, in dem die Kinder und Jugendlichen aktiv die gemeinsame Zeit gestalten. Dabei können sie die Erfahrung machen, gehört zu werden und Einfluss zu nehmen, sich untereinander austauschen und Lösungsideen erarbeiten. Ein besonderes Highlight in diesem Jahr ist die geplante Sommerfreizeit der Kindergruppe. Anstelle der bisherigen Ferienaktionstage mit unterschiedlichen Tagesausflügen, wie sie zuletzt im Sommer 2025 stattgefunden haben, haben die teilnehmenden Kinder sich für eine 5-tägige Freizeit nach Schloss Dankern entschieden. Konzeptionell ist die Freizeit an die bereits seit mehreren Jahren stattfindende Teenie-Freizeit angelehnt. Entsprechend stehen bis zum Start im August noch jede Menge Planungen an: Die Kinder dürfen und müssen selbst entscheiden, wie sie die Zeit vor Ort nutzen möchten und welche Aktivitäten sie planen. Im Vorbereitungsprozess geht es aber nicht nur darum, Ideen zu entwickeln und Kompromisse zu schließen, sondern genauso um die Auseinandersetzung mit auftretenden Unsicherheiten. Wie auch im wöchentlichen Gruppentreffen zielt das Angebot auch darauf ab, die Kinder in ihrer Gefühlswahrnehmung und -regulation zu begleiten.
Das psychoedukative Gruppenangebot (kurz „PEG“), das in diesem Jahr erneut starten und einen Zeitrahmen von 6 bis 9 Monaten umfassen wird, setzt ebenfalls einen Fokus auf die Gefühlswahrnehmung. Im Kleingruppenkontext erarbeiten Kinder, die in einem Familiensystem mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil leben, eigene Gefühle in Bezug auf die elterliche Erkrankung. Im Austausch miteinander geht es um das Erleben der familiären Situation, um ein altersgerechtes Verständnis für verschiedene psychiatrische Krankheitsbilder und die Thematisierung diesbezüglicher Befürchtungen, Sorgen und Ängste. Die begleitende Elternarbeit im systemisch ausgerichteten Projekt Wellenreiter realisiert sich im Bereich Psychoedukation durch eine Elterngruppe, in der erkrankte Eltern einen wertschätzenden Rahmen für Reflektion und Austausch erfahren.
Auch im Bereich Netzwerkarbeit freuen sich die Fachkräfte des Projekts auf ein spannendes Jahr: Im Januar hat bereits der erste Beratungsrundlauf 2026 stattgefunden. Organisiert wird dieser von der AG „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene“ des Schaumburger Bündnisses gegen Depressionen. In unterschiedlichen Workshop-Angeboten werden Schüler*innen adressiert und in diesem Zuge auf Beratungs- und Unterstützungsangebote im Landkreis Schaumburg aufmerksam gemacht. Thematisch beschäftigt sich der Workshop des Projektes Wellenreiter mit Mythen und Fakten rund um das Thema „Psychische Erkrankungen“ und damit, was Sicherheit und Unsicherheit im Kontext psychischer Erkrankungen in der Familie bedeutet. Nach dem Jahresauftakt an einem Stadthäger Gymnasium, sind für das Jahr noch einige weitere Beratungsrundläufe geplant. Mit seiner Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit möchte das Projekt Wellenreiter weiterhin auf das psychischen Erkrankungen anheftende Stigma aufmerksam machen und auch 2026 zur Sichtbarkeit im öffentlichen Diskurs beitragen.
Obwohl Eltern mit psychischer Erkrankung nach wie vor Vorurteilen begegnen, stellen die Fachkräfte im Projekt Wellenreiter fest, dass sich immer mehr Betroffene trauen, Unterstützung zu suchen. In diesem Zuge repräsentiert die erhöhte Nachfrage einerseits die steigende Zahl psychisch erkrankter Menschen, aber auch eine positive Entwicklung dahingehend, dass sich immer mehr betroffene Eltern trauen, Hilfe einzufordern. Die Förderung durch die Postcode Lotterie und den Landkreis Schaumburg trägt maßgeblich dazu bei, auf diese Entwicklungen antworten und die steigende Zahl an Erstkontakten und Beratungsgesprächen decken zu können.
Mit Eltern zu erarbeiten, wie Kinder eine psychische Erkrankung erleben, wie sich diese auf den familiären Alltag auswirkt, aber auch welche inner- und außerfamiliären Ressourcen dazu beitragen können, Kindern eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen, ist auch Aufgabe der wöchentlichen Elterngruppe, die das Projekt Wellenreiter in Kooperation mit der Burghof-Klinik – Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie – anbietet. Nachdem die Zusammenarbeit 2025 erfolgreich weitergeführt werden konnte und in der Elterngruppe wöchentlich zwischen 7 und 10 Elternteile adressiert werden konnten, die als Patient*innen in der Burghof-Klinik angedockt sind, wird dieses Format auch 2026 fortgesetzt.

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